Friedrich Gulda "Chopin"

- Friedrich Gulda "Chopin"
Deutsche Grammophon
Dieser Mann hat die Musikwelt in Atem gehalten – mehr noch: Friedrich Gulda (1930-2000) hat die Musikwelt erschüttert, sie neu zusammengesetzt, provoziert und wieder versöhnt – mit Bach natürlich, mit Beethoven; aber auch mit Jazz, Wiener Liedern und Klängen, die so fern des Üblichen sind, dass sie kaum klassifizierbar erscheinen.
Und wenn Mozart auf dem Programm stand, konnte es durchaus passieren, dass nach der Pause die Bestuhlung aus dem Konzertsaal entfernt worden war und Gulda zusammen mit Techno-DJs wie Sven Väth zu einer „Dance-Party“ lud. Nun folgt mit der exklusiven Doppel-CD „Friedrich Gulda – Chopin“ die nächste Überraschung!
Friedrich Gulda und Chopin? Aber ja: Dass Gulda sich dem Chopin’schen Œuvre ausführlich gewidmet hat, war bisher nur wenig dokumentiert. Passend zum 200. Geburtstagsjubiläum des Komponisten Frédéric Chopins schließt „Friedrich Gulda – Chopin“ diese Lücke.
Für Guldas Schaffen – ein Schüler von Bruno Seidlhofer (Klavier) und Joseph Marx (Komposition), der mit 16 den Internationalen Genfer Musikwettbewerb gewonnen hatte und 1950 als Jahrhunderttalent in der New Yorker Carnegie Hall gefeiert wurde – spielt die Beschäftigung mit Chopin eine entscheidende Rolle. Er, der rhythmisch Unbeugsame, in seiner Virtuosität Unerbittliche, entdeckte anhand des Werks des polnischen Komponisten das Rubato. Gulda durchleuchtete das präzise durchgearbeitete Notenbild auf verborgene Melodien im Figurenwerk Chopins – und brachte impressionistische Farben und die Anflutungen von Seelendrama zum Vorschein.
Die Doppel-CD „Friedrich Gulda – Chopin“ macht dies anhand von zahlreichen bisher unveröffentlichten Live-Mitschnitten aus den Jahren 1955 bis 1960 erstmals erlebbar. Die 24 Préludes (op. 28) und die vier Balladen zeigen Guldas rhythmische Brillanz und seine Meisterschaft der Anschlagsnuancierung sowie seinen Sinn für dramatisch zugespitzte Interpretation.
Friedrich Gulda, der 2010 seinen 80. Geburtstag feiern würde, widmetet sich in den 1980er Jahren erneut dem polnischen Komponisten und verzückte beim Münchner Klaviersommer 1986 das Auditorium mit der Nocturne H-Dur, die zu einer regelrechten Meditation geriet. Dieses wertvolle Tondokument rundet die „Chopin“-Doppel-CD ab, ehe Guldas spannendes und spannungsreiches Verhältnis zu Chopin abschließend durch eine von seinem Sohn Paul Gulda aus verschiedenen Materialquellen zusammengestellte Suite illustriert wird.
Seine Darbietung des 1. Klavierkonzerts mit dem London Philharmonic Orchestra von 1954 fand Gulda in der Rückschau übrigens „verdammt gut“. Wer wollte einem der größten pianistischen Genies des 20. Jahrhunderts da widersprechen!
Tracks
CD 1
1. in C major
2. in A minor
3. in G major
4. in E minor
5. in D major
6. in B minor
7. in A major
8. in F sharp minor
9. in E major
10. in C sharp minor
11. in B major
12. in G sharp minor
13. in F sharp major
14. in E flat minor
15. in D flat major ("Raindrop")
16. in B flat minor
17. in A flat major
18. in F minor
19. in E flat major
20. in C minor
21. in B flat major
22. in G minor
23. in F major
24. in D minor
1. Allegro maestoso
2. Romance (Larghetto)
3. Rondo (Vivace)
CD 2
1. Ballade No.1 in G minor, Op.23
2. Ballade No.2 in F, Op.38
3. Ballade No.3 in A flat, Op.47
4. Ballade No.4 in F minor, Op.52
5. Nocturne No.13 in C minor, Op.48 No.1
6. Barcarolle in F sharp, Op.60
7. Nocturne in F sharp major, Op.15, No.2
8. Waltz No.14 in E minor, Op.posth.
9. Nocturne No.17 in B, Op.62 No.1
10. 1. Epitaph
11. 2. Entzückung
12. 3. Erfüllung
13. 4. Enttäuschung
14. 5. Entfernung
15. 6. Erstarrung
16. 7. Entsagung
17. 8. Epilog
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