Die Schlafwandler

- Die Schlafwandler
Autor: Hermann Broch
Sprecher: Hanns Zischler, Werner Wölbern, Jürgen Hentsch, Jens Harzer, Manfred Zapatka
10 CDs - ca. 615 Min.
Hörspiel
Der Hörverlag
€ 49,95 (D), sFr 82,60 (UVP)
ISBN 978-3-86717-346-9
Im ersten Teil, Pasenow oder die Romantik, geraten unter dem Einfluss des Kaufmanns Eduard von Bertrand die religiösen Überzeugungen und das patriotische Pflichtgefühl des Gutsbesitzersohns Joachim von Pasenow ins Wanken.
Dennoch entzieht er sich der unglücklichen Affäre mit dem Animiermädchen Ruzena, um in der Ehe mit der zum Tugendideal verklärten Elisabeth von Baddensen einen den starren gesellschaftlichen Konventionen entsprechenden Ersatz für die metaphysische Leere seiner Existenz zu finden.
Der entlassene Buchhalter August Esch, Vertreter des kleinbürgerlich-proletarischen Milieus, begegnet seiner als willkürlich erlebten Umwelt im zweiten Teil, Esch oder die Anarchie, mit zunehmendem Realitätsverlust.
Eine "anarchische" Opfer- und Erlösungsfantasie leitet seinen Plan, den für den Kopf einer Weltverschwörung gehaltenen Mannheimer Industriellen Bertrand zu beseitigen. Die Ehe mit der älteren Gastwirtin Gertrud Hentjen zügelt den "falschen" Idealismus.
Gegen Ende des Ersten Weltkriegs gelangt der gelernte Kaufmann Wilhelm Huguenau, Hauptfigur des dritten Teils, Huguenau oder die Sachlichkeit, durch Betrug und mit Hilfe des Stadtkommandanten Joachim von Pasenow in den Besitz der Druckerei des ermordeten August Esch.
Die Geschichte des Opportunisten ist um die Parallelerzählungen des Leutnants Jaretzki, des Maurers Gödicke und der Hanna Wendling ergänzt, die für Vereinsamung und körperliche wie geistige Versehrtheit stehen.
Der vom Intellektuellen Bertrand Müller vorgetragenen Abhandlung über den Zerfall der Werte steht zudem die Geschichte eines Heilsarmeemädchens in Berlin als poetischer Kontrast gegenüber.
Dem Hörer stockt der Atem angesichts der frappierenden Parallelen zu unseren Tagen: Wirtschaftskrise, Werteverfall, Kulturwandel – Brochs Werk klingt fast wie ein Kommentar zu den aktuellen Entwicklungen. Mit einer herausragenden, stimmgewaltigen Besetzung und pointiert gesetzter Musik wird in der Inszenierung von Klaus Buhlert die Dramatik jener Umbruchjahre so lebendig, als erlebten wir sie heute.
Hörprobe
Sprecher u.a.
Werner Wölbern, geboren 1961, absolvierte seine Ausbildung an der Folkwang-Schule in Essen. Es folgten Theaterengagements am Schauspielhaus Düsseldorf, dem Thalia Theater Hamburg, dem Burgtheater Wien und bei den Salzburger Festspielen. Er wirkte in vielen Film- und Fernsehproduktionen mit, u.a. in dem Kinofilm „Der Campus“.
Er ist in Christa Wolfs „Medea“ sowie in „Bel Ami“ von Guy de Maupassant zu hören. In Franz Fühmanns „Prometheus“ spricht er die Titelrolle, in Hermann Hesses „Der Steppenwolf“ den Neffen.
Auf 35 Jahre Schauspielerfahrung in Fernsehen, Kino und Theater kann Jürgen Hentsch inzwischen zurückblicken. Nach seiner Ausbildung an der stattlichen Schauspielschule Berlin, hatte er zwischen 1965 und 1990 Engagements am Deutschen Theater Berlin, dem Burgtheater und an der Schaubühne Berlin. Neben zahllosen Haupt- und Nebenrollen gehörten die des Professor Dr. Ernst Schultze in Romuald Karmakars „Der Totmacher“ (1995) und die des Heinrich Mann in der dreiteiligen Fernsehserie „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ (2000; Regie: Heinrich Breloer) zu den bedeutendsten. Für „Die Manns“ wurde Jürgen Hentsch mit dem „Adolf-Grimme-Preis“ und dem „Bayerischen Fernsehpreis“ ausgezeichnet.
Manfred Zapatka, geboren 1942 in Bremen, studierte an der Westfälischen Schauspielschule in Bochum. Nach ersten Engagements in Freiburg und Essen kam er 1972 an das Staatstheater Stuttgart unter der Intendanz von Claus Peymann. Über zwanzig Jahre war er an den Münchner Kammerspielen engagiert und spielte u. a. in Goethes „Clavigo“ und „Torquato Tasso“, Büchners „Dantons Tod“ oder Shakespeares „Der Sturm“. Seit den achtziger Jahren ist Zapatka auch im Fernsehen präsent. Herausragend war seine Darstellung des Altkanzlers Helmut Schmidt in Heinrich Breloers mehrfach ausgezeichnetem Doku-Drama „Todesspiel“ (1997). Mit „Lola blau“ von Georg Kreisler lieferte Zapatka 2003 sein Debüt als Theaterregisseur.
Manfred Zapatka wirkte in zahlreichen Hörspielen mit, darunter Hermann Hesses „Der Steppenwolf“, in Hermann Melvilles „Moby-Dick“, Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften. Remix“ und Frank Schätzings „Der Schwarm“.
Autor
Hermann Broch wurde am 1. November 1886 in Wien als Sohn eines jüdischen Textilfabrikanten geboren. Zunächst absolvierte er eine Ausbildung zum Textilingenieur und leitete von 1907 bis 1927 die Fabrik seines Vaters. 1909 heiratete er, nach seinem Übertritt zum Katholizismus, Franziska von Rothermann, mit der er einen Sohn hatte. Die Ehe wurde 1923 wieder geschieden. Ab 1913 begann er erste schriftstellerische Texte zu veröffentlichen. Von 1925 bis 1930 studierte er Mathematik, Philosophie und Psychologie. 1938 wurde er am Tag des Anschlusses Österreichs an Deutschland von den Nationalsozialisten verhaftet. Durch die Hilfe James Joyce' gelang ihm die Emigration über England in die USA, er lebte zeitweise in Princeton und New York. 1942 erhielt er den Preis der American Academy of Arts and Letters in New York für seinen Entwurf des Romans Der Tod des Vergil. 1944 wurde ihm die amerikanische Staatsbürgerschaft verliehen. 1949 heiratete Broch zum zweiten mal und zog nach New Haven, wo er zum Lektor für deutsche Literatur an der Yale University ernannt wurde. Er starb am 30. Mai 1951.
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